El Salvador
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Lateinamerika

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Länderinformation & Spendenprojekte

El Salvador ist das kleinste Land Mittelamerikas und mit 21 041 km2 etwa so groß wie Niederösterreich. Durch eine Kette von Vulkanen wird das Land grob in drei Regionen unterteilt: den südlichen Küstenstreifen, die zentralen Hochebenen und Täler und die nördlichen Berge. Die Staatsform El Salvadors ist eine Präsidialdemokratie, bei der alle drei Jahre Parlaments- und Gemeindewahlen und alle fünf Jahre Präsidentschaftswahlen stattfinden. Geprägt ist das Land seit Jahrzehnten auch nach dem offiziellen Ende des Bürgerkrieges 1991 von Bandenkriegen, Repressionen, Menschenrechtsverletzungen, Kriminalität und einer hohen Gewaltbereitschaft. Darüber hinaus weist El Salvador mit 6,5 Femiziden pro 100.000 Einwohner:innen eine der höchsten Femizidraten weltweit auf.

Die Gesellschaft wird durch große soziale Unterschiede und ungleiche Landverteilung bestimmt. Großgrundbesitzer produzieren in Monokulturen landwirtschaftliche Produkte für den Export. Lebensmittel für die eigene Bevölkerung sind knapp. Der Anteil der Bevölkerung ohne gesicherte Ernährung ist in den letzten Jahren stetig angestiegen und erreichte 2022 bereits 42%. 20 % haben keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser, beinahe die Hälfte der Bevölkerung keinen zu sanitärer Infrastruktur. Fast 2/3 der Bevölkerung arbeitet im informellen Sektor. Die Betroffenheit der kleinbäuerlichen Bevölkerung durch die Klimaveränderungen tragen zusätzlich zur Verarmung bei. Am 27. März 2022 rief Präsident Nayib Bukele den Ausnahmezustand aus, der seitdem immer wieder verlängert wurde.

Geschichte und politische Entwicklung

Die Pipiles und Lencas, indigene Stämme, die ursprünglich auf dem Gebiet des heutigen Mexiko siedelten, stießen im 9. Jahrhundert bis ins heutige El Salvador vor. Im Jahr 1524 wurde das Land von den Spaniern erobert und war bis 1821 spanische Kolonie. 1882 beseitigte die Regierung von El Salvador per Gesetz das letzte verbliebene indigene Gemeindeland und ermöglichte so die Ausbreitung der Kaffeeplantagen. So befanden sich um das Jahr 1900 90 Prozent der Güter des Landes in den Händen von 0,01 Prozent der Bevölkerung. Der Großteil der bäuerlichen Familien war landlos und lebte in äußerster Armut. 1930 übernahm General Maximiliano Hernández Martínez durch einen Putsch die Macht. Um an der Macht zu bleiben, schlug er 1932 einen Aufstand der Landarbeiter:innen, überwiegend indigene Pipil-Bäuer:innen nieder. La Matanza – „das Massaker" gilt als das Ende der Existenz der indigenen Völker El Salvadors.

Die Folgen des Bürgerkrieges sind bis heute spürbar

Von 1980 bis 1991 herrschte im Land ein Bürgerkrieg, der am Ende rund 70.000 Tote forderte. Die enorme soziale Kluft war eine der Hauptursachen für den Kampf zwischen der Militärdiktatur und der Guerilla-Bewegung. Über 90 Prozent der der Gewalttaten, hauptsächlich an der Zivilbevölkerung, wurden vonseiten des Militärs begangen. Am 16.01.1992 wurde unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ein Friedensvertrag unterzeichnet, an der sozialen Situation der Zivilbevölkerung änderte das nur wenig. Bis heute flüchten jährlich tausende Salvadorianer:innen in die USA, um der Kriminalität und den mangelnden Zukunftsperspektiven ihres Heimatlandes zu entkommen. 20% des BIP El Salvadors wird durch Rücküberweisungen von im Ausland lebenden Salvadorianer:innen eingebracht.

Oscar Romero, Rutilio Grande und viele mehr: Märtyrer für soziale Gerechtigkeit

„Als prophetische Kirche können wir in einer derart ungerechten Welt nicht schweigen.“ Das sagte San Oscar Romero, wie der 2018 heiliggesprochene Erzbischof El Salvadors in seiner Heimat genannt wird. Ein Satz, der für sein unerschrockenes öffentliches Auftreten und seinen Einsatz für die Armen steht. Der Jesuitenpater Rutilio Grande war ein Freund und Mitstreiter Romeros. Die Ermordung Grandes und seiner Begleiter 1977 gilt als Wendepunkt im Leben des ursprünglich konservativen Geistlichen. „Rutilio hat mir die Augen geöffnet“, so Romero selbst, „Wenn sie ihn umbringen, für das, was er getan hat, dann muss ich denselben Weg gehen!" Der Gedenktag Oscar Romeros ist der 24. März, der Tag, an dem auch er 1980 für sein Engagement mit dem Leben bezahlte. Auf Befehl des Militärregimes wurde während eines Gottesdienstes erschossen.

Bis heute wird sein Gedenktag in ganz El Salvador mit zahlreichen Veranstaltungen begangen. Die Botschaft Oscar Romeros hat an Aktualität kaum verloren. Heute ist der Heilige für zahlreiche katholische Organisationen wichtiges Vorbild, Impuls und Antrieb zu zivilgesellschaftlichem Engagement. Neben Oscar Romero und Rutilio Grande wurden während des Bürgerkrieges unzählige Menschen, die sich für Gerechtigkeit und gegen Unterdrückung einsetzten, verschleppt, gefoltert und ermordet. Speziell Christ:innen erlebten eine der blutigsten Verfolgungen der Gegenwart.

El Salvador in Stichworten

Fläche

21 041 km2 (vgl: Österreich: 83 871 km2)

Geografie

Kette von Vulkanen, die das Land grob in drei Regionen unterteilt: den südlichen Küstenstreifen, die zentralen Hochebenen und Täler und die nördlichen Berge. Der höchste Berg ist der El Pital (2.730 m)

Klima

Tropisches Klima mit geringen Temperaturschwankungen

Bevölkerung

Ca. 6,3 Millionen Einwohner; vgl. Österreich: 8,9 Millionen; (Stand 2022)
Bevölkerungswachstum: 2%

Kinderzahl pro Mutter

2,8 Durchschnitt
Teenager-Schwangerschaften:  25% aller Schwangerschaften

Lebenserwartung

72 Jahre

Alphabetisierung

81,1 % der Erwachsenen

Sprachen

Amtssprache: Spanisch; außerdem Nahua (Indigene)

Religion

51,7% Katholiken; protestantische Minderheit

Bruttosozialprodukt

3799 US$ pro Einwohner

Human Development Index

0,675

Produktion

Landwirtschaft 10%, Industrie 31%, Dienstleistungen 60%; Arbeit im informellen Sektor: 65%

Auslandsverschuldung

3,5 Mrd. US$, 84% des BIP (Stand 2021)

Währung

El Salvador Colon (¢); seit 2001 aber kaum noch in Gebrauch stattdessen US$; Seit 2021 ist auch Bitcoin offizielle Währung

Staatsform

Präsidialrepublik seit 1983

Frauenwahlrecht

Seit 1939

Hauptstadt

San Salvador

Verwaltung

14 Departamentos

Unabhängigkeit

Prokl. 15. September 1821, endgültig erhalten 13. April 1839

Staatsoberhaupt = Regierungschef

Nayib Bukele

Sonstige Informationen

Armutsrate: 26,7%
Fehlender Zugang zu sicherem Trinkwasser: 20%
Fehlender Zugang zu sanitärer Infrastruktur: 41,5%
Fehlende Ernährungssicherheit: 30% der Bevölkerung

Nützliches

Internationale Telefonvorwahl: + 503
Zeitverschiebung: -7 Stunden

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…weil Gerechtigkeit
viele Gesichter hat.

Spendenprojekte

Gut versorgt mit Grundnahrungsmitteln

#11 Nachhaltige Städte und Gemeinden
#12 Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion
#13 Maßnahmen zum Klimaschutz
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Die Versorgungssituation der Menschen in El Salvador ist prekär. Großgrundbesitzer produzieren in konventionell geführten Monokulturen Produkte wie Zuckerrohr für den Export. Diese verursachen Umweltverschmutzung und die Auslaugung der Böden. Lebensmittel für die eigene Bevölkerung sind knapp und zu teuer für den täglichen Bedarf.
Ein Hausgarten ist eine einfache Möglichkeit, eine Familie mit ausreichend Gemüse, Obst und Getreide zu versorgen. Um auch die Ernährungssituation ihrer Gemeinden zu verbessern, bewirtschaften kleinbäuerliche Familien in den stadtnahen Gebieten von Ciudad Arce ihr Land mit agroökologischen Anbaumethoden. So kann die Ernte verbessert und die lokale Bevölkerung versorgt werden.

Mit ihrer Spende unterstützen Sie kleinbäuerliche Familien beim Anlegen von Hausgärten und bei der agroökologischen Bewirtschaftung ihrer Felder.

Partnerorganisation: Fundación Círculo Solidario de El Salvador

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Agroökologische Methoden fördern Unabhängigkeit und Klimaresistenz

Agroökologische Systeme können hier entgegenwirken und die Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung stärken. Sie leisten einen Beitrag zur ganzheitlichen Verbesserung der Lebenssituation von benachteiligten Menschen. Der direkte Kontakt der Erzeuger*innen mit den Verbraucher:innen fördert auch den sozialen Zusammenhalt und garantiert einen fairen Preis.
Ein weiterer Vorteil agroökologischer Methoden ist, dass sie überall angewandt werden können. Sie haben je nach Ort verschiedene Ausformungen, weil sie jeweils an die lokalen Gegebenheiten und Kontexte angepasst sind. Durch die Nachahmung natürlicher Ökosysteme entstehen positive Wechselwirkungen, wie etwa zwischen Pflanzen, Tieren, Bäumen, Wasser usw. Die Förderung und Bewahrung von Artenvielfalt wirkt sich positiv auf das Ökosystem und den Boden aus. Darüber hinaus wird der Einsatz von synthetischem Dünger und Pestiziden eliminiert und durch natürliche und meist selbst umsetzbare Methoden ersetzt. Dies wiederum macht bäuerliche Familien von großen Saatgut- und Düngemittelkonzernen unabhängig.

Hohe Preise und Abhängigkeiten

Mehrere Komponenten sind es, denen dieses Projekt entgegenwirken und positive Veränderungen für die Menschen bewirken soll: Allem voran kann für zahlreiche kleinbäuerliche Familien in der Gegend um Ciudad Arce Ernährungssicherheit nicht gewährleistet werden. Der Grund dafür sind einerseits die Preise der Grundnahrungsmittel und andererseits die teure Abhängigkeit von Saatgut- und Düngemittelkonzernen: In konventioneller Landwirtschaft wird mit hybridem und damit nur einmalig verwendbarem Saatgut gearbeitet, das jedes Jahr wieder nachgekauft werden muss.
Darüber hinaus sind die Länder des globalen Südens von den Auswirkungen des Klimawandels am stärksten betroffen. Verluste und Schäden, wie ausfallende Ernten durch Wassermangel, ausgeschwemmte Böden oder Unwetterphänomene sind für die Menschen existenzbedrohend.
Eine weitere Komponente ist die Situation von Frauen in dieser Region, die durch schlechte Ausbildung oder Familienkonstellationen oft in Abhängigkeit leben. Alleinerziehende Frauen sind von Armut noch stärker betroffen.

Mehrere Projektkomponenten ergänzen einander

Der lokale Partner dieses Projekts ist Fundación Círculo Solidario de El Salvador, die viele Themen mit innovativen Ideen angeht. Neben Schulungen zu agroökologischen Produktionsmethoden und Begleitung der Menschen bei der Umsetzung, führt die Organisation Sensibilierungsmaßnahmen und Aufforstungskampagnen durch. Sie laden regelmäßig zu Gemeinschaftsforen ein und verbreiten Wissen auch über Radiosendungen. Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist auch die Beteiligung von Frauen. Vielfach sind es die Frauen der Familien oder alleinerziehende Mütter, die an den landwirtschaftlichen Schulungen teilnehmen, die Gärten bebauen und so die Versorgung der Familie tragen. Ein Teil der Maßnahmen und Kampagnen behandelt auch das Themenfeld Geschlechtergerechtigkeit. Somit trägt das Projekt zur ganzheitlichen Verbesserung der Situation von Frauen bei.

Bildung für zivilgesellschaftliches Engagement

#4 Hochwertige Bildung
#5 Geschlechtergleichstellung
#16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
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Mit einer Spende von 255 Euro ermöglichen Sie einer Person die Teilnahme an der gesamten dreijährigen Ausbildung.
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Jahrzehnte Bürgerkrieg haben die Bevölkerung El Salvadors zu einem großen Teil verarmt zurückgelassen und wirken sich bis heute aus. Im Einsatz für soziale Gerechtigkeit stellen sich viele Vertreter:innen der katholischen Kirche Jahrzehnten auf die Seite der Not-leidenden Bevölkerung. Auch zahlreiche Menschen aus bildungsfernen Kontexten wie Straßenverkäufer:innen, Arbeiter:innen und Bäuer:innen engagieren sich in Pfarren und Gemeinschaften, um soziale und gesellschaftliche Verbesserungen zu bewirken.

Diesen Menschen eine basale Ausbildung für ihre Aufgaben zu bieten, ist das Ziel des Projektes mit der Universität Universidad Centroamericana „José Simeón Cañas” (UCA) in San Salvador. Die Teilnehmer:innen erwerben in drei Jahren berufsbegleitend Wissen zu Organisation, Begleitung von Gruppen und theologischen Themen. Mit der Ausbildung werden Menschen befähigt, als Führungspersonen in Pfarren und Gemeinden aktiv zu werden und sich so aktiv für die Zivilgesellschaft und Menschenrechte einzusetzen.

Partnerorganisation: Universidad Centroamericana „José Simeón Cañas” (UCA)

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Die Universität für zivilgesellschaftliches Engagement

Die von Jesuiten geleitete Universität UCA in El Salvadors Hauptstadt San Salvador wurde 1965 gegründet und ist eine private Einrichtung des öffentlichen Dienstes und eine gemeinnützige Gesellschaft, die von einem Verwaltungsrat geleitet wird und auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Region ausgerichtet ist. Die UCA bietet seit über 20 Jahren ein sozial-pastorales Erwachsenenbildungsprogramm an, die „Escuelas de Teología Pastoral - ETP“ (Pastoraltheologische Schulen). Sie bieten jährlich für etwa 500 Personen eine dreijährige Ausbildung (Abschluss mit Universitätsdiplom) zu theologischen und sozial-pastoralen Themen an, die im Geiste der befreiungstheologischen und lateinamerikanischen Theologie Menschen dazu befähigen soll „ihre christliche Verantwortung wahrzunehmen und einen Beitrag zu einem sozialen Wandel im Sinne des Reich Gottes zu leisten“. Die Vision der UCA ist es, kompetente Menschen auszubilden, die sich für soziale Gerechtigkeit und Formen des Zusammenlebens einsetzen, die auf Solidarität mit den Armen und Verteidigung der Menschenrechte beruhen.

Zielgruppe: Bildungsferne Menschen; 70 % Frauen

Die Teilnehmenden der ETP arbeiten mehrheitlich im informellen Wirtschaftssektor (Straßenverkäufer:innen, Arbeiter:innen, Hausfrauen, Schneider:nnen, Fabriksangestellte, Lehrer:nnen, Bäuer:innen). Das Altersspektrum reicht von 18 bis 60 Jahren. Die Klassen setzen sich aus 70% Frauen und 30 % Männern zusammen. Der Großteil der Teilnehmenden ist als Laien in den örtlichen Pfarren und Gemeinschaften aktiv. Deshalb ist es auch ein Ziel des Lehrganges, die pfarrliche und gemeinschaftliche Beteiligung durch die Ausbildung zu stärken und so nachhaltig zu gesellschaftlichen Verbesserungen beizutragen.