14.04.2026

Wie alles begann

Der Anfang von Bruder und Schwester in Not

Die Aktion „Bruder und Schwester in Not“ [BSIN] begann im Advent 1961. Initiiert von der Katholischen Männerbewegung und im Auftrag der Österreichischen Bischofskonferenz wurden damals erstmals Spenden gesammelt, für den Bau einer Mütterklinik im indischen Bombay, dem heutigen Mumbai. Zu dieser Zeit trug die Initiative den Namen „Bruder in Not“. Ihr Ziel war von Anfang an, langfristig zur Bekämpfung von Hunger und Armut beizutragen.
Die humanitäre Lage im damaligen Bombay war prekär. Rund drei Millionen Menschen lebten in der Stadt, viele davon unter schwierigen Bedingungen. Es fehlte vor allem an bezahlbarem Wohnraum und an ausreichender Ernährung. Mit ihrem ersten Projekt wollte die Aktion gezielt helfen: Geplant war der Bau einer Klinik für Mütter und ihre Kinder, ein Ort, der Schutz bietet und eine grundlegende Versorgung ermöglicht. Dafür wurden insgesamt fünf Millionen Schilling benötigt. In einem Hirtenbrief vom 2. November 1961 rief der damalige Bischof Paulus Rusch zur ersten Sammlung auf:


„Die österreichischen Bischöfe haben beschlossen, in diesem heurigen Advent eine Sammelaktion „Bruder in Not“ durchzuführen. Sie bitten um Hilfe für eine Mütterklinik in Bombay. Geben wir diesen fernen indischen Müttern ein Weihnachtsgeschenk. Geben wir ihnen ein Viertel von dem, was wir an Weihnachtsgeschenken für unsere Lieben und für uns selbst zu geben beabsichtigen.“


Auch in den Adventspredigten wurde zur Solidarität aufgerufen:


„Alle Menschen, wo immer sie leben, sind unsere Brüder und Schwestern. Wenn Menschen in Indien hungern oder auf der Straße sterben, dann darf uns das nicht weniger berühren als die Not im eigenen Umfeld.“
 

Bischof DDr. Paulus Rusch
Grundriss des finanzierten Hospitals in Indien

Das Prinzip der Säckchen

Ein zentrales Element der ersten Sammlung waren die sogenannten „Opfersäckchen“, mit denen gespendet wurde. Am ersten Adventsonntag wurden sie in den Pfarren verteilt. Sie sollten über die Adventzeit hinweg zu Hause aufbewahrt und gefüllt werden. Der Bischof formulierte es damals wie folgt:


„Nun machen wir unsere Sammlung so, dass wir am heutigen Sonntag kleine Säckchen ausgeben, mit der Aufschrift „Bruder in Not!“. Diese Säckchen können mit Geld gefüllt werden, um den Menschen in Indien zu helfen.“


Der Gedanke dahinter war, sich der Situation und der Not Anderer bewusst zu werden. Menschen wurden eingeladen, auf Kleinigkeiten zu verzichten und den gesparten Betrag weiterzugeben, aus Solidarität und Nächstenliebe. Im Hirtenbrief wurde das sehr konkret formuliert:


„Ihr könnt manchmal in der Qualität beim Einkauf eine Stufe herunter gehen. Dann gebt das gesparte Geld in das Säckchen. Ihr könnt ein andermal eure Kinder anleiten, in der Adventszeit auf Süßigkeiten zu verzichten. Gebt das Geld in das Säckchen!“


Am dritten Adventsonntag wurden die gefüllten Säckchen wieder eingesammelt. So konnte sich jede und jeder mit dem beteiligen, was möglich war.
 

Sammelsackerln von 1967
Sammelsackerl von 2025

Ein voller Erfolg

Die erste Sammlung war ein großer Erfolg. Das ursprüngliche Ziel von fünf Millionen Schilling wurde deutlich übertroffen. Insgesamt kamen 6,5 Millionen Schilling zusammen. Mit diesen Mitteln konnte die geplante Klinik in Bombay gebaut werden.

schwarz weiß Bild von Bischof und vielen Frauen und Männern in weißen Gewändern

Was geblieben ist und wie es weiterging

Seit 1961 hat sich die Arbeit von Bruder und Schwester in Not in vielen Bereichen weiterentwickelt. Gleichzeitig gibt es heute noch zentrale Elemente.


Mit der Verlesung des Hirtenbriefs wird nach wie vor die Sammlung im Advent eingeleitet und zur Solidarität eingeladen. Auch die Säckchen sind geblieben. Jedes Jahr am ersten Adventsonntag werden sie in den Pfarren verteilt und am dritten Adventsonntag wieder eingesammelt. Aus den „Opfersäckchen“ sind „Spendensäckchen“ geworden, aber viele Menschen beteiligen sich weiterhin mit dem, was sie geben können.


Verändert hat sich unter anderem der Name. Aus dem anfänglichen „Bruder in Not“ wurde 1996 „Bruder und Schwester in Not“. 
 

Von einem Projekt zu langfristiger Zusammenarbeit

Während sich die erste Aktion auf den Bau einer einzelnen Einrichtung konzentrierte, ist die Arbeit heute breiter angelegt. Bruder und Schwester in Not unterstützt heute gezielt nachhaltige entwicklungspolitische Projekte in vier Ländern: Uganda, Tansania, Bolivien und El Salvador. Lokale Projekte vor Ort werden durch „BSIN“ unterstützt. Sie zielen darauf ab, Lebensbedingungen langfristig zu verbessern, etwa durch den Zugang zu Bildung, durch die Stärkung von Ernährungssicherheit oder durch die Förderung resilienter Landwirtschaft. Dabei ist die Unterstützung so gestaltet, dass Menschen vor Ort ihre Situation langfristig selbst verbessern können.
 

Kontinuität und Verantwortung

Ein Blick auf das erste Jahr zeigt, wie klar die Ausgangsidee formuliert war: eine konkrete Notlage, ein gemeinsames Ziel und eine breite Beteiligung. Die Arbeit aber hat sich weiterentwickelt und an neue Herausforderungen angepasst.
Was gleichgeblieben ist, ist die grundlegende Haltung: Solidarität endet nicht an nationalen Grenzen. Sie zeigt sich im konkreten Handeln, damals wie heute. Die Aktion „Bruder und Schwester in Not“ steht seit 1961 für dieses Prinzip. Und sie zeigt, dass mit vielen kleinen Beiträgen das Leben von Menschen verändert werden kann.

Text: Theresa Bergmann
 

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit!

Heute, rund 65 Jahre später, besteht sie noch immer und ist weiterhin in Betrieb. Unter dem Motto „Service in Love“ haben die „Missionary Sisters, Servants of the Holy Spirit“ die Einrichtung zu einem modernen Krankenhaus mit Forschungszentrum und Ausbildungsstätte weiterentwickelt. Und der ursprüngliche Gedanke lebt bis heute: Noch immer finden benachteiligte Menschen im „Holy Spirit Hospital“ Hilfe und Unterstützung.