17.03.2026

Was Landwirtschaft wirklich bedeutet

Zwischen Klimawandel und der Subsistenzwirtschaft

Wenn wir hier in Österreich über Landwirtschaft sprechen, geht es oft um Tierwohl, Marktpreise, den Wettbewerb mit Discountern oder agrarpolitische Entscheidungen. In Tansania steht eine grundlegende Frage im Mittelpunkt: Wie kann Landwirtschaft gestaltet werden, damit Familien nachhaltig versorgt sind? 
In der tansanischen Region Kagera, im Nord-Westen des Landes, lebt ein Großteil der Bevölkerung von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Sie bildet die zentrale Lebensgrundlage der Menschen vor Ort. Das heißt, dass der Großteil von ihren Erträgen, selbst verzerrt wird und dafür dient, sich ernähren zu können. Man nennt das auch Subsistenzwirtschaft.  Angebaut werden vor allem Kochbananen, Mais, Bohnen, Hirse und Maniok, eine kartoffelähnliche Knolle. Doch die Bäuer:innen stehen vor wachsenden Herausforderungen. Die Klimakrise und die damit verbundenen Dürren gestalten die Landwirtschaft immer schwieriger. Zusätzlich erschweren ständige Bodenerosionen die Bewirtschaftung von Land. 
 

Wenn Ernten unsicherer werden

Der Klimawandel ist in Tansania jetzt schon deutlich spürbar und stellt auch die Landwirtschaft vor Ort vor große Herausforderungen. Dürreperioden nehmen zu, Böden verlieren an Fruchtbarkeit, extreme Wetterereignisse erschweren die Planung. Die Menschen in Tansania müssen sich an die Klimaveränderungen anpassen, damit sie ihre Lebensgrundlage nicht verlieren. Aber die Mittel und das Knowhow für diese Anpassungen sind stark begrenzt, sodass die klimatischen Veränderungen die Bäuer:innen und ihre Erträge sehr stark beeinflussen.

Wie wir vor Ort unterstützen

Um die Landwirtschaft als tragfähige Lebensgrundlage zu sichern, unterstützt Bruder und Schwester in Not gemeinsam mit der tansanischen Partnerorganisation MAVUNO die Bevölkerung vor Ort. Ziel ist es, landwirtschaftliche Methoden weiterzugeben und gemeinsam so weiterzuentwickeln, dass sie nachhaltiger und widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Herausforderungen werden.
Charles Bahati, Projektmanager von MAVUNO, formuliert es so:

„Es geht darum, dass die Gemeinden und Haushalte selbstständig werden und ihre Lebensbedingungen eigenständig verbessern können.“

Konkret sieht das so aus: MAVUNO bildet Landwirt:innen aus, sogenannte „focal farmes“, die ihr gelerntes Wissen anschließend in ihren Dörfern weitergeben. Die Wissensvermittlung setzt bei agrarökonomischen Methoden an, also der nachhaltigen Nutzung und Bewirtschaftung von Land und Feldern. Vermittelt werden unter anderem Grundlagen des Mischanbaus und des Bodenfruchtbarkeitsmanagements, sowie die Herstellung und Anwendung biologischen Düngers und Prinzipien einer klimaangepassten Landwirtschaft. Auch die Förderung der Kleintierhaltung, etwa von Ziegen, gehört dazu. Ergänzend werden wirtschaftliche Grundlagen und Wissen zu ausgewogener Ernährung vermittelt. 
Auf diese Weise soll die Landwirtschaft so gestärkt werden, dass sie Ernährung langfristig sichert und zugleich verlässliche Einkommensmöglichkeiten schafft.

Gemeinden übernehmen Verantwortung

Das Angebot durch MAVUNO wird gut angenommen. Das zeigt auch, wie groß der Bedarf an nachhaltiger Landwirtschaft in der Kagera Region ist. Charles Bahati erzählt: 
„Vor allem Frauen und Jugendliche übernehmen zunehmend Verantwortung und Gemeinden beteiligen sich vermehrt. Landwirtschaft ist hier eng mit Wissen, Teilhabe und der Sicherung der Versorgung verbunden.“

Ein Blick nach Tirol

Auch hier in Österreich verändern sich die Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft durch den Klimawandel. Extreme Wetterereignisse treten häufiger auf, Hitzeperioden belasten Tiere und Felder. Matthias Mayr betreibt einen regionalen Geflügelhof in Tirol, der von der Aufzucht der Küken bis zur Schlachtung und dem Verkauf, die gesamte Wertschöpfungskette umfasst. Er bemerkt die Klimaveränderungen auch:

„Früher, also eigentlich nur vor 10-15 Jahren mussten wir im Winter oft „zuheizen“ und für Wärme im Stall oder Tieren sorgen. Das ist mittlerweile fast nicht mehr notwendig. Meist sind wir damit beschäftigt, dass es die Tiere im Sommer nicht zu heiß haben. Die Tiere leiden unter der Hitze.“

Zudem beschreibt Matthias Mayr vor allem die zunehmende Intensität der Schwankungen:

„Die Ereignisse werden extremer. Hitze, Starkregen, schnelle Temperaturwechsel. All das wirkt sich direkt auf unsere Tiere und auf den Ertrag aus.“

Matthias Mayr und andere Bäuer:innen und Landwirt:innen in Österreich haben Zugang zu Mitteln, um sich auf die Veränderungen einzustellen. Investitionen sind möglich, etwa in Infrastruktur, Bewässerung oder Stalltechnik. Es können technische Lösungen gefunden werden, Prozesse optimiert und Risiken abgesichert werden.
 

Wenn die Existenz bedroht wird

Auch hier in Tirol ist Landwirtschaft anspruchsvoll und von Klima, Marktbedingungen und gesellschaftlicher Wahrnehmung abhängig. Die Veränderungen betreffen Betriebe unmittelbar. Der Unterschied zu Tansania und anderen Regionen der Erde, liegt vor allem in den Auswirkungen. In Österreich und Europa können Investitionen, Förderinstrumente und technische Lösungen dazu beitragen, Risiken und die Auswirkungen der Veränderungen abzufedern.
In Nordwesttansania sind die Spielräume deutlich begrenzter. Wenn Regenzeiten unregelmäßig werden, Dürreperioden länger werden und Ernten ausbleiben, betrifft das nicht nur betriebliche Kennzahlen, sondern direkt die Versorgung der Haushalte. Landwirtschaft entscheidet hier über die Ernährung, über Einkommen und schlussendlich direkt auch über die Existenz.


Damit ist Landwirtschaft ein Beruf im Wandel. Sie verlangt Fachwissen, Anpassungsfähigkeit und vorausschauendes Handeln. Doch während sie im österreichischen Kontext häufig als Wirtschaftszweig diskutiert wird, bleibt sie in vielen Regionen der Erde und auch in Tansania die unmittelbare Grundlage des täglichen Lebens und entscheidet über Existenzen. Gerade deshalb ist es entscheidend, Landwirtschaft dort zu stärken, wo sie die Grundlage für Ernährung und Zukunft bildet.

Bitte unterstützen Sie Menschen wie die Projektteilnehmenden von MAVUNO mit Ihrer Spende!