04.12.2025

Warum die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) wichtig sind

– und warum wir nicht auf Kurs sind

Im Jahr 2015 haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf eine gemeinsame Vision für eine bessere Welt bis 2030 geeinigt. Daraus entstanden 17 Nachhaltigkeitsziele, die sehr viele Bereiche abdecken: von der Bekämpfung der Armut über den Klimaschutz bis hin zu Gesundheit und Gleichberechtigung. Schon die ersten fünf Ziele zeigen, wie ambitioniert diese Vision ist:

Und das ist nur der Anfang. Weitere Ziele wie Klimaschutz (SDG 13), Leben unter Wasser (SDG 14) und Leben an Land (SDG 15) verdeutlichen, dass der Schutz von Natur, Ökosystemen und Biodiversität nicht optional ist, sondern grundlegend für das Leben selbst.

Warum sind die SDGs so wichtig?

Die Stärke der SDGs liegt nicht nur darin, dass Regierungen ihnen zugestimmt haben, sondern dass sie uns allen eine gemeinsame Zielrichtung geben. Sie sollen von den Parlamenten in die Politik, von der Politik in die Gemeinden und von dort in die täglichen Entscheidungen jedes Einzelnen fließen.

 

Doch die Realität ist ernüchternd: Wir sind nicht auf Kurs, um diese Ziele bis 2030 zu erreichen. 
Nicht einmal annähernd.

Wie groß ist der Rückstand?

Die UN selbst zeichnet ein alarmierendes Bild (siehe: un.org/sustainabledevelopment/sdg-fast-facts). Einige Beispiele:

  • Armut (SDG 1): Wenn der aktuelle Trend anhält, werden 2030 noch 575 Millionen Menschen in extremer Armut leben.
  • Hunger (SDG 2): Mehr als 600 Millionen Menschen weltweit werden voraus-sichtlich Hunger leiden.
  • Gesundheit (SDG 3): Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an vermeidbaren Ursachen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.
  • Bildung (SDG 4): Über 270 Millionen junge Menschen haben keinen Zugang zu Schulbildung.
  • Geschlechtergleichheit (SDG 5): In der aktuellen Geschwindigkeit würde es 300 Jahre dauern, um Kinderehen zu beenden und 286 Jahre, um rechtliche Gleichstellung zu erreichen.

Das ist nicht nur ein langsamer Fortschritt – es ist eine Warnung.

Warum bleiben wir zurück?

Trotz guter Absichten gelingt es uns nicht, die SDGs in die Lebensrealitäten der Menschen zu integrieren. Die Gründe:

  1. Zu wenig Finanzierung: Jährlich klafft eine Finanzierungslücke in Billionenhöhe auf.
  2. Unbeständige politische Willenskraft: Manche Regierungen setzen sich ambitioniert ein, andere erwähnen die SDGs nur in Reden. Langfristige Verpflichtungen gehen oft in Wahlzyklen verloren.
  3. Datenlücken: Viele Länder haben keine Basisdaten, um Fortschritte zu messen.
  4. Isolierte Umsetzung: Die SDGs sind miteinander verknüpft – Hunger beeinflusst Bildung, Gleichheit beeinflusst Armut, Klima beeinflusst alles. Dennoch handeln Regierungen oft, als wären die Ziele voneinander getrennt.
  5. Globale Krisen: COVID-19, Konflikte, Inflation, Energiekrisen und Klimakatastrophen haben Fortschritte nicht nur verlangsamt, sondern teilweise rückgängig gemacht.

Österreich: Wo stehen wir?

Österreich ist ein wohlhabendes und stabiles Land und sieht sich gern als Vorbild in Europa. Mit unseren Ressourcen und sozialen Systemen sollten wir führend bei der Umsetzung der SDGs sein. Doch laut dem Bericht von SDG Watch Austria (2025), einem Zusammenschluss österreichischer NGOS, sind wir noch weit entfernt vom Ziel.

Das größte Problem: Es gibt keinen verbindlichen nationalen Plan, der klar festlegt, wie wir die SDGs bis 2030 erreichen wollen. Die Ziele werden zwar in Strategien und Reden erwähnt, aber ohne messbare Vorgaben und eine einheitliche Roadmap bleibt echter Fortschritt ein ferner Traum. Hinzu kommt eine fragmentierte Governance: Die nationale Koordinationsstelle IMAG 2030 hat wenig politische Autorität, und die Bundesländer gehen sehr unterschiedlich vor. Auch Budgetentscheidungen spiegeln die SDGs kaum wider.

Ein weiteres Defizit: Die Zivilgesellschaft wird zu wenig eingebunden. NGOs, Wissenschaft, Jugendgruppen und Aktivist:innen werden zwar gelegentlich konsultiert, aber nicht systematisch beteiligt. Dadurch bleiben wertvolle Expertise und Perspektiven oft außen vor. Schließlich fehlt es an klarer Rechenschaftspflicht: Ohne robustes Monitoring und transparente Berichte bleibt die Umsetzung freiwillig.

 

SDG Watch Austria fordert daher:

  • Einen verbindlichen nationalen SDG-Plan mit konkreten Zielen.
  • Stärkere politische Führung auf Bundesebene.
  • Integration der SDGs in die Budgetplanung.
  • Einen ständigen Beirat mit Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Sozialpartnern und Jugend.
  • Bessere Daten, mehr Transparenz und Monitoring.
  • Stabile Finanzierung für NGOs.

Wie geht es weiter?

Die SDGs sind keine abstrakten Ziele auf UN-Webseiten. Sie sollen auch in unseren Schulen, Städten, Unternehmen und Haushalten leben – und in den Entscheidungen, die wir täglich treffen. Wenn Österreich seinen Werten gerecht werden will, brauchen wir politischen Mut, langfristige Planung, bessere Koordination und echte Beteiligung aller Teile der Gesellschaft.

Die gute Nachricht: Jeder Schritt zählt, jede Person macht einen Unterschied. Die SDGs waren nie als reine Regierungsziele gedacht – sie sind ein gemeinsames Versprechen.

Bis 2030 werden wir die SDGs nicht vollständig erreichen. Jetzt ist dennoch an der Zeit, sinnvolle Fortschritte zu machen, erfolgreiche Projekte zu stärken und Organisationen sichtbar zu machen, die die SDGs aktiv umsetzen.

Ein Ofen für die Eltern heißt Bildung für die Kinder

Wie geht BSIN den Weg nach vorne?

Bei BSIN sind die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) kein Nebengedanke – sie sind der Kompass für alles, was wir tun. Sie bestimmen, wie wir Projekte entwerfen, bewerten und umsetzen. Auch wenn wir im Vergleich zu Regierungen oder internationalen Organisationen klein erscheinen, zeigt die Wirkung unserer Arbeit deutlich, wie kraftvoll lokale Projekte sein können, wenn sie mit klarer Absicht gestaltet werden.

Ein Beispiel: In Tansania führen wir derzeit drei Projekte durch, die zusammen sieben verschiedene SDGs umfassen.

 

Hauptprojekt 25: Ein Ofen für die Eltern – Bildung für die Kinder

Dieses Projekt unterstützt Familien, indem es den Zugang zu Nahrung er-leichtert und Kindern eine verlässlichere Teilnahme am Schulunterricht ermöglicht. Damit tragen wir direkt zu SDG 2: Kein Hunger und SDG 4: Hochwertige Bildung bei.

 

Initiative „Bäume pflanzen als Klimaschutz

Hier fördern wir gesunde Ökosysteme und Gemeinschaften und leisten einen Beitrag zu SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen sowie zu SDG 13: Maß-nahmen zum Klimaschutz.

 

Projekt „Ein Schulabschluss für Mädchen“

Dieses Projekt hat eine besonders breite Wirkung: Es unterstützt die Bildung von Mädchen im Distrikt Biharamulo, indem es Zugang zu sauberem Wasser, Waschmöglichkeiten und Menstruationshygiene schafft – damit Schülerinnen die Schule mit Würde und Selbstvertrauen besuchen können. So fördern wir SDG 4 (Bildung), stärken SDG 5 (Geschlechtergleichheit) und tragen zu SDG 6 (Sauberes Wasser und Sanitärversorgung) bei.

 

Diese Beispiele zeigen: Schon mit drei Projekten lassen sich mehrere SDGs gleichzeitig bedienen. Denn in der Realität sind alle Ziele miteinander verbunden. Dieses Verständnis prägt unsere Arbeit bei BSIN: Wir gestalten Projekte mit einem gemeinsamen humanitären Ziel und wissen, dass die Unterstützung eines Bereichs oft viele andere stärkt.

Was uns besonders ermutigt: Wir tun das nicht allein. Wir arbeiten eng mit engagierten lokalen Partnerorganisationen zusammen, die unsere Ziele nicht nur auf dem Papier teilen, sondern auch persönlich und in ihrer Arbeit leben. Und wenn Sie das hier lesen und/oder Spender:in von Bruder und Schwester in Not sind, sind Sie Teil dieser Reise. Ihre Unterstützung – sei es durch Aufmerksamkeit, Engagement oder Beiträge – hilft uns, gemeinsam voranzukommen. Sie ermöglicht es uns, Teil einer globalen Bewegung für Entwicklung, Würde und Chancen für alle zu sein.

Selbst wenn die SDGs bis 2030 nicht vollständig erreicht werden, können wir dennoch echten Fortschritt schaffen – Schritt für Schritt, Gemeinschaft für Gemeinschaft, getragen von einem gemeinsamen Sinn und Ziel.

Text: Vineesha Srivastava. Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und für die Interseiten von Bruder und Schwester in Not automatisch übersetzt. 

 

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