Von Tirol nach Bolivien – was Spenden bewirken
Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen in Bolivien
Bolivien ist für Frauen eines der gefährlichsten Länder in Südamerika*. Trotz Verabschiedung eines progressiven Gesetzes zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen im Jahr 2013 verzeichnet Bolivien weiterhin alarmierend hohe Zahlen an Gewalttaten gegen Frauen und Femiziden. Als besonders gefährlich gilt das Department Cochabamba – insbesondere die Stadt Sacaba.
Dank der Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender können wir unsere lokale Partnerorganisation Vinzentinische Laiengemeinschaft „Comunidad Misionera Laica Vicentina“ (CMLV) in Cochabamba und Sacaba stärken. CMLV engagiert sich in Cochabamba und Sacaba für soziale Gerechtigkeit und die Stärkung benachteiligter Bevölkerungsgruppen, mit besonderem Schwerpunkt auf der Selbstermächtigung von Frauen.
Wenn Hilfe kaum zu finden ist
Frauen in Bolivien, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, wenden sich in der Regel an öffentliche Einrichtungen. Die Einrichtungen sind jedoch oft überlastet und die Meldeverfahren intransparent und komplex, dass es in Folge häufig nicht nur zur Rücknahme der Anzeige, sondern auch zur Rückkehr in den gewalttätigen Herkunftshaushalt kommt. Ein niederschwelliger Zugang zur Justiz fehlt und eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Frauen hin zu einem Leben frei von Gewalt unterbleibt.
Ein Frauenschutzzentrum, das Hoffnung schenkt
Unsere bewährte Partnerorganisation, die Vinzentinische Laiengemeinschaft „Comunidad Misionera Laica Vicentina“ (CMLV), ist seit vielen Jahren im Großraum Cochabamba tätig und führt mehrere Projekte in Sacaba zu geschlechtsspezifischer Gewalt, Gewaltschutz und Gewaltprävention durch. Zwei der Projekte werden von BSIN und vom Land Tirol unterstützt, die beide dasselbe Ziel verfolgen: Frauen in Gewaltsituationen zu schützen, Wege aus der Gewalt aufzuzeigen und präventive Maßnahmen zu setzen.
Ein zentraler Bestandteil ist die Förderung des Frauenschutzzentrums „Centro de Atención a la Mujer“ (CAM), ein Beratungs- und Gewaltschutzzentrum für Frauen und Mädchen in Sacaba. Das Frauenzentrum wurde als Reaktion auf den hohen Unterstützungsbedarf von Frauen und Mädchen in Gewaltsituationen im Jahr 2011 von CMLV gegründet. Das Angebot des CAM umfasst psychologische Betreuung, rechtliche Beratung, juristischen Beistand sowie kurz- und langfristige Unterbringungsmöglichkeiten im dazugehörigen Frauenhaus. Viele öffentliche Stellen verweisen betroffene Frauen mittlerweile direkt dorthin. Es gilt als die eine der wenig beständig funktionierenden Institutionen in Sacaba, die sich dem Problem der häuslichen Gewalt annimmt.
Wie Betroffene zu Promotoras (Menschenrechtsförderinnen) werden
Im Rahmen eines weiteren aktuellen Projekts der CMLV werden Frauen mit Gewalterfahrung zu sogenannten „Promotoras“ ausgebildet – „Menschenrechtsförderinnen“, die durch ihre Präsenz sowie Straßen- und Nachbarschaftsarbeit in verschiedenen Stadtteilen als Ansprechpersonen für Hilfesuchende dienen.
Zum Projekt gehört auch die Eröffnung und der Betrieb von drei Kontaktpunkten bei öffentlichen Gewaltschutzzentren und -ambulanzen für Personen, die Informationen und Unterstützung in Fällen häuslicher Gewalt suchen. Diese Kontaktpunkte werden von den Promotoras betrieben.
Die Projekte erreichen insgesamt mehrere tausend Personen – darunter Betroffene, Familienangehörige, Beamtinnen und Beamte sowie Kinder und Jugendliche – und tragen spürbar zur Unterstützung von Gewalt betroffenen Frauen in Sacaba bei.
Marta und ihr Weg in ein gewaltfreies Leben
Eine der Frauen, die durch das Frauenschutzzentrum CAM Unterstützung gefunden hat, ist Marta Yapura Colque. Marta ist 38 Jahre alt, stammt aus Potosí – einer Stadt im Hochland Boliviens– und ist Mutter von fünf Kindern. Ihr Leben war lange von Gewalt geprägt: Über viele Jahre wurde sie von ihrem damaligen Partner körperlich, sexuell und seelisch misshandelt. Schließlich erstattete sie Anzeige, worauf er jedoch mit Gegenanzeigen und falschen Anschuldigungen reagierte. So verlor Marta sogar vorübergehend das Sorgerecht.
In dieser schwierigen Zeit lernte sie das Frauenschutzzentrum CAM kennen. „Anfangs hatte ich kein Vertrauen“, erinnert sich Marta, „doch die Mitarbeiterinnen dort halfen mir sofort: Sie begleiteten mich zu Terminen, unterstützten mich bei den Gerichts-verfahren und erklärten mir meine Rechte“.
Das Frauenschutzzentrum CAM bot ihr psychologische Betreuung an und unterstützte sie dabei, eine kleine Existenzgrundlage aufzubauen – einen Stand um „Salchipapa“ (Anm.: Nach österreichischen Definitionen eine Art Würstel mit Pommes) zuzubereiten und in der Nähe ihres Hauses zu verkaufen. Zusätzlich erhielt sie Kleidung und Lebensmittel für ihre Kinder.
Heute fühlt sich Marta deutlich sicherer und optimistischer. Die Promotoras von CAM begleiten sie weiterhin zu Gerichtsverhandlungen und erklären ihr die rechtlichen Schritte, die sie allein nicht verstehen würde. „Seit ich ihre Unterstützung habe, bin ich ruhiger und zuversichtlicher. Ich hoffe, dass ich mit meinen Kindern ein neues, friedliches Leben aufbauen kann.“
Die Geschichte von Marta steht stellvertretend für viele Frauen, die durch das Frauenschutzzentrum CAM neue Perspektiven erhalten – und sie verdeutlicht, dass Ihre Spenden eine unmittelbare und entscheidende Wirkung haben.
Danke, dass Sie diese Arbeit ermöglichen.
Text: Teresa Bösch
*Aufgrund der Anzahl an Femiziden laut Coordinadora de la mujer in Bolivien 2022 bzw. aktuellen Zahlen (2025) aus der verlinkten Statistik ist Bolivien das zweitgefährlichste Land Südamerikas für Frauen.
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