17.08.2026

Solidarität heißt gemeinsam und füreinander

Text: Anna Pfefferkorn

Haben Sie schon einmal von MAVUNO gehört? Mavuno, auf Swahili „Ernte“, betreibt ein Projekt in Tansania, das Menschen wie Monica Milembe Samson dabei unterstützt, ihre Lebensbedingungen durch klimaschonende, landwirtschaftliche Praktiken zu verbessern.

MAVUNO Project - Improvement for Community Relief and Services ist ein 1993 gegründeter Zusammenschluss von Kleinbäuer: innen im Nordwesten Tansanias, der sich besonders durch seinen Aufbau und seine Struktur auszeichnet. Denn statt klassischer Hierarchien teilen sich die rund 520 Mitglieder die Verantwortung auf allen Ebenen. 
Der Projektmanager Charles Bahati koordiniert die laufenden Aktivitäten, während ein 5-köpfiger Vorstand, ein Beratungs-Komitee und ein gemeinschaftsnahes Zielgruppen-Komitee dafür sorgen, dass die Organisation auf vielen Beinen steht. So werden Gemeinden in Karagwe und Kyerwa im Nordwesten Tansanias durch Programme in den Bereichen Ernährungssicherheit, Landwirtschaft und sauberer Wasserversorgung (WASH), bis hin zu Umweltschutz, Bildung für Benachteiligte und Gemeinwohl unterstützt.

Das Leben vom Bananenanbau

Monica M. Samson ist 56 Jahre alt, verheiratet und Mutter von acht Kindern. Sie lebt im Dorf Kahio und pflanzt dort Bananen an.  In den Bezirken Karagwe und Kyerwa leben die meisten Menschen von Subsistenzwirtschaft. Das bedeutet, dass sie sich fast ausschließlich von ihren eigenen Feldfrüchten und Tieren ernähren. Dabei werden hauptsächlich Grundnahrungsmittel wie Kochbananen, Mais, Bohnen, Kolbenhirse und Maniok angebaut.

Doch mit zunehmender Bodenerosion, welche durch Überbesiedlung, Abholzung und Abbrennen der Felder verursacht wird, ist das Leben in ländlichen Gegenden um einiges härter geworden. Was früher mühsam, aber möglich war, wird für viele Familien zur echten Herausforderung. Auch Monicas Bananenpflanzung spürte den erodierten Boden, was kleinere und unzuverlässige Ernten zur Folge hatte. „Bevor ich dem Projekt beitrat, wusste ich nicht, wie ich meinen Boden retten sollte‘‘, erzählt sie. Das war, bevor ihr schließlich der Dorfvorsteher, damals selbst MAVUNO-Mitglied, über das Projekt erzählte. Nun ist sie seit ihrem ersten Treffen mit den Feldtrainern schon ein ganzes Jahr mit dabei.

Gemeinsam und Füreinander

Seitdem trifft sich Monica M. Samson regelmäßig mit einer Gruppe anderer Bäuerinnen und Bauern und erzählt dort nicht nur von ihren neuen Erfahrungen, sondern wird bei ihrer Arbeit auch von allen Seiten unterstützt. „Nach dem Beitritt zum Projekt begann ich, angepasste landwirtschaftliche Methoden zur Verbesserung des Bodens anzuwenden‘‘, berichtet sie. Dank der Schulungen in Mulchen, Wassernutzung und Kompostierung kann sich der Boden erholen, wovon die Pflanzen in Wachstum und Fruchtstand profitieren. Dadurch verbessern sich nicht nur die Ernten, es gelingt ihr nun auch, ihre Familie zu ernähren. 

Menschen selbst werden zur Lösung

Das beschreibt grob das Motto von MAVUNO. Statt in Klassenräumen wichtigen Lernstoff zu vermitteln, bildet die Organisation Multplikator: innen, sogenannte focal farmers, aus. Diese Bäuerinnen und Bauern geben dann ihr Wissen und ihre praktischen Erfahrungen an die Nachbar:innen bzw. an die Nächsten weiter. So motiviert MAVUNO die Teilnehmenden dazu, sich selbst zu organisieren, Verantwortung zu übernehmen und damit unabhängiger von äußeren Strukturen zu machen.

In dem vielseitigen Programm erwerben die Teilnehmenden nicht nur Wissen, wie man Böden schützt oder Mischanbau betreibt, sondern auch in Haushaltsführung durch Schulungen in Bereichen wie Finanzmanagement, Buchführung und Marktzugang. Selbst der lokale Radiosender, Karagwe FM, trägt dazu bei, indem er über in der Landwirtschaft notwendiges Wissen, wie z.B Wettervorhersagen, informiert.

Weitere Aspekte wie Aufklärung hinsichtlich gesunder Ernährung, des Anlegens von Hausgärten und Bienenstöcken, sowie die Weiterverarbeitung von
Lebensmitteln zur Wertschöpfung, wie zum Beispiel das Trocknen von Früchten durch die Sonne, erhöhen nicht nur die Ernährungssicherheit, sondern sichern auch den Lebensunterhalt. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die gezielte Förderung von Frauen und Jugendlichen, die durch das Projekt Führungs- und Finanzkompetenzen stärken können. Dies ist insbesondere in einer Region wichtig, in der meist Männer über Land, Geld und Entscheidungen bestimmen.

Aber wofür steht Solidarität bei MAVUNO eigentlich?

Die Organisation möchte innerhalb der Gesellschaft ein Miteinander kreieren, wie Projektmanager Charles Bahati erklärt. Das zeigt sich ganz konkret in den Bäuer:innengruppen, in denen Menschen wie Monica M. Samson regelmäßig zusammenkommen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen. Wichtig dabei ist das Zuhören, die gemeinsame Planung und nicht zu vergessen: der Wille gemeinsam etwas zu bewirken. Wer eine neue Methode ausprobiert hat, gibt sie weiter. Wer mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, bekommt Rückhalt. Nur so schaffen es die Mitwirkenden als Gemeinschaft Fortschritte zu erzielen.

Eine bessere Zukunft mit gesicherter Ernährung

„Diese Praktiken haben meine Art zu wirtschaften vollständig verändert”, erzählt Monica M. Samson stolz. Ihre Geschichte steht stellvertretend für das, was MAVUNO in acht Dörfern der Region in dem von BSIN unterstützten Projekt umsetzt. In Kooperation mit anderen Organisationen arbeitet MAVUNO weit über diese hinaus. Das Ziel besteht nicht nur darin, die Ernährungssicherheit zu sichern und die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern, sondern auch gleichzeitig die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern.
Das Projekt orientiert sich dabei am globalen Entwicklungsziel ,,SDG 2: Kein Hunger‘‘ und setzt konkret auf resiliente, klimaangepasste Anbaumethoden sowie den erleichterten Zugang zu Markt und Boden. Mithilfe der Unterstützung von MAVUNO, blickt Monica M. Samson und mit ihr zahlreiche weitere Projektteilnehmer:innen in eine Zukunft mit stabilen Ernten, verlässlichem Einkommen und eine sichere Zukunft für sich selbst und ihre acht Kinder.

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