15.06.2026

„Los Ofendidos“

Ein bewegender Dokumentarfilm über den Salvadorianischen Bürgerkrieg

Filmbesprechung von unserer Blogautorin Teresa Bösch.

Am 7. Juni wurde im Rahmen des Internationalen Film Festivals Innsbruck (IFFI) im Cinematograph Innsbruck in Kooperation mit „65 Jahre Bruder und Schwester in Not“ der Dokumentarfilm „Los Ofendidos (The Offended)“ gezeigt. Der Film aus dem Jahr 2016 handelt vom 12-jährigen Bürgerkrieg in El Salvador (1979-1992) und beinhaltet berührende Interviews mit Personen, die der Verfolgung und Folter während des Krieges zum Opfer fielen. Ergänzt werden die Interviews durch Archivbilder und -videoaufnahmen aus dem Krieg sowie ein Voiceover der Regisseurin Marcela Zamora.

Zamoras persönlicher Bezug zu dem Thema

Ausgangspunkt des Films ist die Geschichte von Marcela Zamoras Vater Rubén Ignacio Zamora Rivas, der während des Bürgerkriegs ein bedeutender Oppositionspolitiker war. Er wurde verhaftet und 33 Tage lang gefoltert. Lange Zeit hatte Zamora nichts von diesem dunklen Kapitel im Leben ihres Vaters gewusst, bis ihre Mutter sie schließlich darauf aufmerksam machte. Nach dem Tod ihrer Mutter entschloss sie, ihren Vater endlich auf seine Erfahrungen anzusprechen.

Erinnerungen von Zeitzeug:innen

Im Laufe des Filmes werden mehrere Opfer interviewt. Unter anderem erzählt Neris González, die im Alter von 16 Jahren und im achten Schwangerschaftsmonat verhaftet wurde, von ihrer Gefangenschaft, in der sie täglich Vergewaltigungen, Missbrauch und Folter durchleben musste. Besonders eindrücklich ist die Szene, in der sie den Ort ihrer Gefangenschaft zum ersten Mal seit der Freilassung wieder besucht.
Auch der Arzt Juan Romagoza berichtet von seinen Erfahrungen. Da er während des Krieges Verwundete behandelte, wurde auch er verhaftet und gefoltert. Unter Tränen erzählt er, dass die schlimmsten Tage Weihnachten und Neujahr gewesen seien, da die Folterer betrunken und besonders blutrünstig waren.

Perspektivenwechsel

Marcela Zamora beschränkt sich nicht auf die Perspektive der Opfer, sondern befragt auch ein ehemaliges Mitglied der „S2“, dessen Gesicht auf seinen Wunsch verdeckt bleibt. Die „S2“ war eine Geheimdienstabteilung der „Guardia Nacional“ (Nationalgarde), die im Krieg als militärisches Instrument des Regimes für die Verfolgung, Folter und das Verschwindenlassen von Regimegegner*innen zuständig war. Der Mann schildert die unmenschlichen Bedingungen im Gefängnis: kleine Zellen, in denen die Gefangenen stehen mussten und weder Nahrung noch Wasser bekamen. Die meisten seien nie wieder freigelassen und ihre Leichen in der Nacht entsorgt worden.

Nach dem Krieg

Der Film deckt nicht nur die grausamen Bedingungen während des Krieges auf, sondern befasst sich auch mit wichtigen Themen nach Kriegsende. So betont Rubén, dass echte Versöhnung erst möglich sei, wenn die Wahrheit über die Verbrechen ans Licht komme. Marcela Zamora macht darauf aufmerksam, dass der Krieg tiefe Spuren hinter-lassen hat und sich das Land noch immer in einem „Nachkriegszustand“ befindet. 
„Los Ofendidos“ hinterlässt einen nachdenklichen Eindruck. Die Offenheit der Betroffenen und ihre emotionalen Erzählungen sind eindringlich und bleiben im Gedächtnis. Zugleich unterstreicht der Film die Notwendigkeit eines Austausches zwischen den jüngeren und älteren Generationen in El Salvador, der oft aus Angst oder Unwissenheit nicht stattfindet. Zamoras Film zeigt, dass Frieden mehr als nur Waffenstillstand bedeutet: Ebenso wichtig sind Aufklärung und die Bereitschaft, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Text: Teresa Bösch

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