25.05.2026

Bildung, die Zukunft sät

Wie Kawsay Muju junge Menschen in Bolivien stärkt

In Cochabamba, einer der dynamischsten Regionen Boliviens, entscheidet Bildung oft darüber, ob Jugendliche den Weg in ein selbstbestimmtes Leben finden oder in prekären Arbeitsverhältnissen bleiben. Während private Schulen in städtischen Zentren modernen Unterricht bieten, kämpfen staatliche Einrichtungen vielerorts mit Personalmangel, mangelnder Ausstattung und veralteten Methoden. Für junge Menschen aus armen Familien bedeutet das: geringe Chancen auf Ausbildung, kaum Zugang zu digitalen Ressourcen und ein hoher Druck, frühzeitig zum Familieneinkommen beizutragen. 

Genau hier setzt die Arbeit der Organisation Kawsay Muju an. Ihr Name bedeutet auf Quechua „Saat des Lebens“ und für viele Jugendliche ist diese Saat tatsächlich der Beginn neuer Möglichkeiten. Die Organisation wurde 2020 gegründet und ist seither zu einem wichtigen Akteur für Bildung, Empowerment und soziale Teilhabe in Cochabamba geworden.

Die Zusammenarbeit mit Bruder und Schwester in Not besteht bereits seit 2021. Seitdem werden drei Projekte unterstützt, mit denen Kawsay Muju junge Menschen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben begleitet. Eines der Projekte hilft Jugendlichen menschenwürdige Anstellungen zu finden und berufliche Perspektiven zu entwickeln. Mit dem neuen Projekt „Semilleros de Esperanza – Bildung ist Zukunft“, das von Bruder und Schwester unterstützt wird, möchte Kawsay Muju noch mehr jungen Menschen Wege aus Armut und Perspektivlosigkeit eröffnen. 

Wenn Bildung fehlt – und Hoffnung schwindet

Das bolivianische Bildungssystem spiegelt die sozialen Unterschiede des Landes wider. Viele Jugendliche verlassen ihre Ausbildung, ohne grundlegende Kompetenzen im Lesen, Schreiben oder Rechnen ausreichend entwickelt zu haben. In einer Zeit, in der Bolivien wirtschaftlich stagniert und Arbeitsplätze im formellen Sektor rar sind, ist das fatal. 

Rund 85 % der jungen Menschen arbeiten im informellen Sektor, viele ohne Rechte, Absicherung oder faire Bezahlung. Jeder Versuch, ein kleines Unternehmen zu gründen, scheitert im Durchschnitt zu 80 %. Es fehlt an Unterstützung, an beruflicher Orientierung, an Training und vor allem an Perspektiven. 

In diesem Kontext wirkt Bildung oft nicht wie ein Recht, sondern wie ein Privileg. Und doch ist sie die einzige nachhaltige Chance auf Veränderung. 

Junge Menschen eröffnen Wege – Ein Jahresrückblick voller Hoffnung

Damit Jugendliche nicht in der Armutsspirale landen, wie Generationen vor ihnen, hat Kawsay Muju Programme entwickelt, die berufliche Kompetenzen, praktische Erfahrung und persönliche Entwicklung miteinander verbinden. Im Jahresbericht 2025 zeigt sich, wie wirkungsvoll dieser Ansatz ist: Jugendliche nahmen an Trainings zu Beschäftigungsfähigkeit und Unternehmertum teil, absolvierten technische Kurzlehrgänge und sammelten erste Berufserfahrungen in Praktika bei Partnerinstitutionen. Einige von ihnen fanden anschließend eine feste Anstellung, andere wagten, begleitet durch Coaching und gezielte Unterstützung, den Schritt in die Selbstständigkeit und konnten ihr Einkommen verbessern. 

Eine der Teilnehmerinnen, María, beschreibt, wie sehr das Programm ihren Alltag verändert hat:
„Im Rahmen des Programms habe ich gelernt, meine Zeit besser einzuteilen, meine Emotionen zu kontrollieren und im Berufsleben bessere Leistungen zu erbringen. Ich habe außerdem Hilfsmittel erhalten, um meinen Lebenslauf zu erstellen, Vorstellungsgespräche zu meistern und mein Berufspraktikum erfolgreich abzuschließen.“ 

Das zeigt: Zukunft entsteht nicht zufällig – sie entsteht durch Unterstützung, Räume zum Lernen und Menschen, die an junge Talente glauben. 

Jugend in Bewegung – junge Akteur:innen des Wandels

Neben der beruflichen Orientierung spielt politische Teilhabe eine zentrale Rolle. Junge Menschen in Bolivien machen mehr als ein Viertel der Bevölkerung aus (im Vergleich dazu sind in Österreich nur rund ein Fünftel unter 19 Jahre alt), haben aber oft keinen Einfluss auf Entscheidungen, die ihr Leben bestimmen. 

Das Programm „Jugend in Bewegung“ stärkt genau diese Rolle. Im Jahr 2025 entwickelten Jugendliche gemeinsam Lösungsansätze zu Beschäftigung, Unternehmertum und sozialem Engagement, brachten eigene Ideen ein und setzten einige davon in Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen um. Ergänzend dazu erhielten sie Trainings in digitaler Kommunikation, Interessenvertretung und Führungskompetenz. 

Für viele war es das erste Mal, dass sie ihre Stimme einbringen konnten und erleben, dass diese Stimme gehört wird. 

Alejandra, Co-Moderatorin, sagt:
Youth in Motion markierte einen Wendepunkt in meinem Leben. Es stärkte mein Verständnis für sozialen Zusammenhang, meine Führungsqualitäten, meine Teamfähigkeit, meine Eigeninitiative und mein Engagement und bereitete mich darauf vor, einen Beitrag zum sozialen Wandel zu leisten.“ 

Diese Initiativen schaffen etwas, das im formalen System oft fehlt: Mut, Selbstvertrauen und das Gefühl, dass gesellschaftlicher Wandel möglich ist. 

Es ist ein Kreislauf positiver Wirkung:

Verbessert man die Bildung der Lehrkräfte, steigt die Qualität des Unterrichts.
Verbessert man die Chancen für Jugendliche, wächst ihre wirtschaftliche Sicherheit und ihre Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben.
Und verbessert man die Lebensbedingungen einer Generation, verändert sich langfristig ein ganzes Land.

Eine Einladung, Zukunft zu stiften

Kawsay Muju zeigt, wie transformierend Bildung sein kann und wie sehr junge Menschen wachsen, wenn ihnen jemand die Hand reicht. 

Damit noch mehr Jugendliche in Cochabamba diese Chance erhalten, braucht es Unterstützung von außen. 

Mit Ihrer Spende für „Semilleros de Esperanza“ ermöglichen Sie jungen Menschen Wege in ein selbstbestimmtes Leben und säen Hoffnung, wo sie am nötigsten ist. 

Bitte unterstützen Sie die Arbeit von Kawsay Muju.