Entwicklungszusammenarbeit in Afrika mit Monitoring

Ausreichend Ernteertrag im eigenen Besitz

Interview mit Sandra Schett, Projektreferentin für Ostafrika.

Im Hauptprojekt der Adventsammlung 2021 wurde für Umweltclubs an Schulen und Mischkulturen in Kyerwa und Kayanga im Nordwesten Tansanias gesammelt. Wo finden sich in diesem Projekt die Bereiche ländliche Entwicklung und Stärkung der Menschenrechte wieder?

Durch die Einführung von Mischkulturen wird agroökologische und nachhaltige Landwirtschaft gefördert. Die Mischkulturen können die Ernährung der Menschen selbst in der Situation des Klimawandels sichern, in der man nicht weiß, wann es regnen wird. Durch einen Mehrertrag können die Menschen auch ein kleines Einkommen generieren, mit dem sie andere lebensnotwendige Produkte wie Mehl und Öl, aber auch Medikamente oder Schulgelder bezahlen können.
Das Recht auf Nahrung ist eines der Menschenrechte: Jeder Mensch hat das Recht, frei von Hunger zu leben. Daran sieht man, dass sich diese Themenbereiche oft überschneiden.

Bedeutet agroökologische Landwirtschaft in diesem Kontext dasselbe wie bei uns in Österreich?

Die Größenordnung ist bei den kleinbäuerlichen Familien in unseren Projekten eine andere. Außerdem wird vieles mit der Hand gemacht, wofür man in Österreich selbstverständlich Maschinen zur Verfügung hat. Ein Beispiel ist die Düngemittelproduktion: Der „Mist“ von den Tieren wird gemeinsam mit Kompost aus Küchenabfällen zu organischem Dünger verarbeitet. In unseren Projektländern wird die gewonnene Jauche manuell mit der Schaufel ausgebracht. Anderswo, zum Beispiel in der Kaffeekooperative in Kagera, Tansania, wird auch gemulcht.

Nochmals zur Stärkung der Menschenrechte: Hat Bruder und Schwester in Not in diesem Bereich einen speziellen Fokus?

Unser spezieller Fokus ist die Förderung von Frauenrechten. Ein Beispiel aus der Region des Hauptprojekts der Adventsammlung 2021: Die Rolle der Frauen in der landwirtschaftlichen Produktion ist in den ländlichen Gebieten zentral und von entscheidender Bedeutung für Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung. Aber aufgrund diskriminierender Gesetze werden Frauen daran gehindert, über die produktiven Ressourcen zu verfügen. So sind Frauen oft von Landbesitz ausgeschlossen, obwohl sie einen wesentlichen Anteil bei der Bestellung der Felder leisten. Das Land gehört den Männern und wenn der Ehemann stirbt, fällt es an einen männlichen Verwandten wie Schwager oder Onkel, aber nicht an die Witwe. Ähnlich ist es mit Besitz und Verwaltung von Geld. Unsere Partnerorganisationen organisieren deshalb über die landwirtschaftlichen Schulungen hinaus auch Workshops für die Menschen, die von den Projekten profitieren, in denen über Besitzverhältnisse gesprochen wird. Einmal kommen nur Frauen zusammen, einmal eine gemischte Gruppe und einmal sind auch lokale Autoritäten dabei. In diesen verschieden zusammen gesetzten Runden werden Fragen gestellt wie: Wem gehört was? Wer bestimmt über die vorhandenen Mittel? Wie wirkt sich das aus? Da kommt vieles in Bewegung und es können Schritt für Schritt auch Veränderungen bewirkt werden, die in weiterer Folge Fragen aufwerfen wie: Wie kann der Status Quo verändert werden?

Und da verändert sich auch tatsächlich etwas?

Die Veränderungen sind Schritt für Schritt spürbar. Ein Beispiel aus einem anderen Projekt, aus Kotido in Uganda: Auch dort waren Frauen bislang von Besitz und Tierhaltung ausgeschlossen. Über Kleintierzucht, in diesem Fall Schweine, erwirtschaften die Frauen selbst ein kleines Einkommen. Dieses Einkommen führt zu höherem sozialem Prestige und dieses ist wiederum ein Schritt Richtung Gleichberechtigung.

Wenn du als Projektreferentin an die Menschen denkst, die vom letztjährigen Hauptprojekt profitieren: Was würdest du dir für sie in fünf Jahren wünschen?

Ich wünsche ihnen, dass sie jedes Jahr ein „volles Feld“, also genug zu essen haben. Dass sie nicht gezwungen sind, aufgrund von Rodung und der Erosion der Böden ihr Zuhause zu verlassen. Und es wäre schön, wenn in fünf bis zehn Jahren die Umweltclubs gar nicht mehr notwendig sind, weil das dort erlernte Wissen selbstverständlich innerhalb von Familie und Gemeinschaft weitergegeben wird.

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